Eine liebgewonnene Tradition: Im Marienstift Havixbeck wird wieder der Original Marienstiftler Zwetschgenlikör angesetzt
Wenn die Sommerferien zu Ende gehen und die Zwetschgen in den Gärten reif und saftig an den Bäumen hängen, beginnt im Marienstift eine ganz besondere Zeit: Es ist wieder Zwetschgenlikör-Zeit!
Seit einigen Jahren organisiert Einrichtungsleiter Tobias Vormann diese liebgewonnene Tradition. Gemeinsam mit einigen Bewohnerinnen und Bewohnern werden an einem Vormittag zahlreiche Kilogramm Zwetschgen gewaschen, entkernt und klein geschnitten. Anschließend kommen die Früchte zusammen mit den weiteren Zutaten in einen großen, schönen Porzellan-Topf – und damit ist der Grundstein für den Original Marienstift Zwetschgenlikör gelegt.
„Das ist schon eine ganz schöne Arbeit, so viele Kilogramm Zwetschgen zu waschen, zu entkernen und einzulegen. Da sind mir die Bewohnerinnen und Bewohner, die mich tatkräftig unterstützen, eine sehr große Hilfe“, erzählt Tobias Vormann.
Doch bei der gemeinsamen Arbeit geht es natürlich um weit mehr als ums Schnippeln. Beim Waschen, Entkernen und Schneiden kommt man schnell miteinander ins Gespräch. Und so manche Erinnerung aus früheren Zeiten wird wieder lebendig.
„Früher wurde ja öfter mal einer angesetzt“, erzählen die Bewohnerinnen und Bewohner. Ob aus Birnen, Pflaumen oder Schlehen – Likör und selbst angesetzte Köstlichkeiten gehörten für viele ganz selbstverständlich zum Haushalt.
Bewohnerin Frau L. erinnert sich besonders gut: „Mein Vater hat damals sogar Likör aus Haselnüssen gemacht.“
Neben Erinnerungen werden natürlich auch praktische Tipps ausgetauscht. Zum Beispiel beim Entkernen der Zwetschgen: Am besten einmal rundherum einschneiden, die Frucht öffnen und den Kern herausdrücken. Und die Kerne müssen anschließend keineswegs in den Müll. Wer sie auskocht, trocknet und entsprechend weiterverarbeitet, kann daraus sogar ein Wärmekissen herstellen.
Den wohl praktischsten Tipp des Vormittags hat allerdings Frau Engel parat: „Kommendes Jahr organisiere ich einen Pflaumenentsteiner für jeden.“
Ein Vorschlag, den Tobias Vormann gerne aufgreift: „Das übernehme ich. Die besorge ich.“
Und wieder hat man beim gemeinsamen Arbeiten etwas dazugelernt.
Nachdem alle Zwetschgen geschnitten und entkernt sind, kommen die restlichen Zutaten in den Porzellan-Topf. Alles wird noch einmal kräftig durchgemischt – und dann heißt es: Warten.
Sechs Wochen muss der Likör nun ziehen. Alle zwei Tage sollte er ordentlich umgerührt werden. Das regelmäßige Erinnern daran übernehmen erfahrungsgemäß die Teilnehmerinnen der Aktion ganz zuverlässig.
Wenn alles gut läuft, ist der edle Tropfen passend zum Kleidermarkt des Anziehungspunktes fertig. Dann wird zunächst ausgiebig probiert und abgeschmeckt, bevor der Original Marienstiftler Zwetschgenlikör schließlich auf dem Adventsmarkt im November zum Verkauf angeboten wird.
Bis dahin heißt es also: Geduld haben, regelmäßig umrühren – und sich schon einmal auf einen besonderen Tropfen aus dem Marienstift freuen.
Denn im Marienstift gilt auch in diesem Jahr wieder: Nach dem Sommer ist vor dem Zwetschgenlikör!